Wolfgang Nairz – Die wilden siebziger Jahre im Himalaya

Nairz_Die_wilden_siebziger_Jahre_im_Himalaya

Auszug aus seinem Buch:

Am 8. Mai 1978 um ca. 13:00 Uhr schafften Reinhold Messner und Peter Habeler das, was im Kreis der Profibergsteiger und der interessierten Weltöffentlichkeit als absolut unmöglich eingestuft wurde: einen hohen Achttausender, gar den höchsten der hohen, ohne Flaschensauerstoff zu besteigen. Die Welt bekam ihren Beweis.

Bereits am 3. Mai gab es eine Sensation aus österreichischer Sicht: Die erste rot-weiß-rote Seilschaft stand am höchsten Punkt der Erde. Der sechzigste Bezwinger des Everest hiess Wolfgang Nairz. Mit ihm Horst Bergmann, dann kam das zweite Duo, der Sherpa Ang Phu und der 24-jährige Steirer Robert Schauer.

“Wir hatten damals das Beste, was es am alpinen Sektor gab, dabei. Wir hatten die ersten Kunststoff-Pickel – die Sherpas hatten noch Holzpickel – und die ersten Steigeisen mit Bindung zum Testen mit dabei. … Jeder unserer Leder-Schalenschuhe wog drei Kilogramm! Das Beste was es an Funkgeräten damals gab, haben wir leihweise vom Österreichischen Bundesheer bekommen. Ein Gerät wog 20 Kilogramm. Heute telefonieren sie mit dem Handy vom Gipfel und im Basislager gibt es ein Internetcafé!”

“… Inzwischen ist die erste Gipfelmannschaft aufgestiegen, sie hatten aber keine guten Verhältnisse, es gab auch gesundheitliche Probleme, sodass sie im Lager III umdrehen mussten. So sind wir als erste Gipfelmannschaft vorgerückt. Wir hatten bessere Bedingungen und waren bei besten Kräften. Bis zum Südsattel war die Lagerkette aufgebaut. Vom Südsattel nach oben mussten wir dann alles selber machen, mit 25 bis 30 Kilo am Rücken wurde das Material für ein fünftes Hochlager auf 8.500 Meter raufgeschleppt. Von dort ging es dann zum Gipfel.”

Vor 30 Jahren: Die wilden 70er, Beatles Ära. Berührte diese Zeit auch die Achttausender-Pioniere? (Wolfgang Nairz lächelt)

“Schau dir die Fotos von uns damals an, die Haare lang, wir waren auch keine Heiligen, haben auch in Kathmandu gewusst, wo es feines Mustang-Hasch gegeben hat und mal einen Joint auspropiert. Das war einfach damals die Zeit und wir haben sie genossen. In der österreichischen Szene hörten wir Ludwig Hirsch und seine mystischen Lieder, aber auch Wolfgang Ambros: “Der Hofer war’s vom Zwanzgerhaus” oder “Zwickts mi, im maan i draam. Danzer mit dem “Nackerten im Hawelka”, solche Lieder hatten wir mit. Aber genauso ein Tonband mit einem Paganini-Violinkonzert, mit Beethoven und Tschaikowsky. Auch wurde immer genügend Literatur mitgenommen. Es hat dazugehört, die ganze Zeit zu genießen. Nicht hin, Berg auffi und heim. Sondern das ganze Drumherum. Es waren sieben Achttausender-Expeditionen. Vor kurzem habe ich die Zeit zusammengerechnet, die ich mit Reinhold Messner zusammen war. Jeder sagt: Wie kannst du mit dem Messner? – wir haben gemeinsam fast drei Jahre miteinander verbracht.”

Nairz_EverestEverest_Gipfel_2

Cho_Oyo_Suedwand Khumbu _Ama_Dablam Makalu_Suedwand2 Noshaq